Die kleine Jwala PDF Drucken E-Mail
brunnen 

Die kleine Jwala kam von ihrem Weg zum Wasserbrunnen zurück und sah wie sich ihr Vater mit einem Ausländer unterhielt. Es war wieder einer dieser hellhäutigen Menschen die ihrem Vater wieder Geschichten über die Länder über dem Meer erzählten. Ihr Vater war immer neugierig auf die Erzählungen der Durchreisenden, am meisten faszinierte ihn dabei der Reichtum der angeblich in diesen Ländern herrschte. 

Wie immer würde er ihr auch diesmal wieder genau Bericht erstatten, sobald der Fremde weiter gezogen war und manchmal schaffte er es sogar einen Gegenstand einzutauschen den er ihr dann richtig feierlich überreichte. Jwala wusste schon viel über diese Länder auch wenn sie sich nicht viel darunter vorstellen konnte was es bedeutet, reich zu sein oder in Wohlstand zu leben. Sie wusste von ihrem Vater, dass es Menschen gab die so große Häuser hatten, mit so vielen Zimmern, wie sie in ihrem Dorf Hütten hatten.

Jwala war 12 Jahre alt und machte sich über den Reichtum in anderen Ländern, die sie nicht einmal kannte, keine Gedanken. Sie machte dreimal täglich ihren Weg zum 2 km entfernten Brunnen um Wasser zu holen. Das Wasser war zwar trüb und schmutzig aber es war nicht verdorben, so wie in den näher gelegenen Brunnen. Aber sie hatte auch noch andere Aufgaben, sie half ihrer Mutter beim Kochen und kümmerte sich um  ihre kleinen Geschwister und so hatte sie wenig Zeit und Lust über andere Länder nach zudenken.

Als sie fast bei ihrem Vater angelangt war um das Wasser abzustellen sah sie wie sich der Fremde von ihrem Vater verabschiedete und ihren Vater kopfschüttelnd zurückließ. Er schaute sie mit großen Augen an, dann sah er auf die beiden Kübel mit Wasser, die auf den Schultern seiner Tochter ruhten und half ihr sie vorsichtig abzustellen um nichts zu verschütten.

„Was ist mit dir Vater“ fragte Jwala, „hat dir der Mann wieder Geschichten über die reichen Länder erzählt?“
„Mein Liebes“ begann ihr Vater, „Ich habe dir schon viel erzählt und vieles davon kannst du dir nicht vorstellen, weil ich es schon fast nicht kann. Aber was mir dieser Mann erzählt hat ist einfach unglaublich. Er sah dich mit dem Wasser kommen und hat mir berichtet, dass die reichsten Länder so klares Wasser haben das man durchschauen kann und dieses Wasser wird immer kontrolliert, ob es auch gesund und rein ist und mit Rohren direkt in die Hütten befördert und weißt du was sie mit dem Wasser dann machen?“
„Ja, sie werden es trinken, oder?“
„Nein mein Liebes, sie spülen damit ihren Kot aus ihren Hütten, kannst du dir das vorstellen, sie spülen ihren Kot aus ihren Hütten.“
Schnell verbreitete sich das Gerücht über den Reichtum, manche glaubten es und andere meinten dass der Fremde gelogen hatte. Jwala aber hatte aber zum ersten Mal verstanden was es bedeutet reich zu sein und im Überfluss zu leben.

                                                                                                                         JaRan